Erinnern für die Zukunft EIBIA Pulverfabrik Dörverden 1938 – 1945

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Zustand nach Sprengung

Bestandsaufnahme 1997


Impressum

... das Sterben der Kinder ...

Kosovec Colwerd 16.1.1944 24.4.1945 UDSSR
Valentina Kissilowa 21.2.1944 1.5.1944 UDSSR
Robert Michiels 23.3.1944 23.3.1944 Belgien
Alfons Michiels 23.3.1944 23.3.1944 Belgien
Nikolai Thatschenko 10.4.1944 12.12.1944UDSSR
Wallerik Derchatschewa5.7.194422.3.1945UDSSR
Anatoli Maisenko8.7.194426.12.1944UDSSR
Wassil Romanowskaja6.8.1944 6.8.1944 UDSSR
Alexandra Romanowskaja 6.8.1944 23.8.1944 UDSSR
Dusja Luncenko 6.8.1944 21.4.1945 UDSSR
Peter Mokris 14.8.1944 6.11.1944 CSSR
Nikolai Jakimova 22.8.1944 17.4.1945 UDSSR
Helja Turlakowa 25.8.1944 17.3.1945 UDSSR
Ivan Kleptikowa 26.8.1944 15.1.1945 UDSSR
Josef Radionowa 29.8.1944 24.9.1944 UDSSR
Nelly Buschmann 28.9.1944 16.3.1945 UDSSR
Anny Krupilnitzka 30.9.1944 25.12.1944 UDSSR
Daniel Le Penn 31.8.194431.12.1944 Frankreich
Franz Atschko1.11.19443.1.1945Slowakei
Solange Lesneur 16.12.1944 27.12.1944 Frankreich
Eddie Hooghe 1.1.1945 25.3.1945 Belgien
Francoise Lemettre27.1.1945 24.3.1945 Frankreich
Jeanine Lemettre27.1.1945 21.3.1945 Frankreich
Walter Daelmann 29.1.1945 29.5.1945 Belgien
Heinz Amielle 3.2.1945 15.4.1945Frankreich
Valentina Vomitschowa 14.2.1945 4.5.1945 UDSSR

... Von den 28 Kindern, die im Sterbebuch der Gemeinde Dörverden als Opfer des Nationalsozialismus festgehalten sind, ist heute kein einziges in der Gräberliste des Kirchengemeindefriedhofes zu finden! Es waren 15 sowjetische Kinder, fünf französische, fünf belgische, ein slowakisches Kind, eines, dessen Nationalität mit "volksdeutsch" angegeben ist, und ein Kind ohne Angabe der Nationalität; unter diesen Kindern sind drei Zwillingspaare. Am Tag ihrer Geburt, am 23. März 1944 starben die beiden belgischen Zwillinge Alfons und Robert Michiels. Am 1. Mai 1944 starb das sowjetische Mädchen Valentina Kissilowa im Alter von zehn Wochen, im August 1944 starben die neugeborenen Zwillinge Alexandra und Wassil Romanowskaja. Im November 1944 starb ein Kind, im Dezember 1944 starben fünf, im Januar 1945 zwei, im März 1945 sechs Kinder, darunter die französischen Zwillinge Francoise und Jeanine Lemettre. Acht Kinder sind nach der Befreing gestorben. Das älteste dieser Kinder, das sowjetische Mädchen Dusja Luncenko, war bei seinem Tod achteinhalb Monate alt.

Krause-Schmitt, Ursula: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Band 2: Niedersachsen 1, Köln 1985, S. 107-108

... die Mütter können ihren Kindern oft nur beim Sterben zuschauen ...

Im Arbeitsamtsbezirk Verden waren nach dem Stand des Jahres 1944 etwa 17000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt. Davon waren ein Drittel Frauen. Sie wurden, nachdem sich kaum noch freiwillige Arbeitskräfte anwerben ließen, in jungen Jahren, oft schon ab 13 Jahren, aus ihren Heimatorten brutal verschleppt und nach Deutschland gebracht. Hier mussten sie unter menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, sei es in Rüstungswerken - etwa die "EIBIA-Dörverden" sei es in der Landwirtschaft. Kontakt zu Deutschen war ihnen verboten; der Kontakt untereinander war nur im geringfügigen Ausmaß möglich. Und wenn sich Freundschaft oder gar Liebe zwischen ihnen entwickelte, so waren die Folgen nicht minder fürchterlich. Die Kinder der "Ostarbeiterinnen'' wurden in sogenannte Ausländerkinderpflegestätten gebracht, was für die Mehrzahl der Babys den sicheren Tod aufgrund der unzureichenden Ernährung und Behandlung bedeutete. Die Mütter hatten das "Recht", ihre Kinder zwei Stunden in der Woche zu besuchen - sie konnten ihnen oft nur beim Sterben zuschauen.

(Kreisarchiv Verden)

Zeitzeuginnenbericht zur Situation der in Dörverden geborenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen:

Die Zeitzeugin war im Kinderheim Eitze, Landkreis Verden beschäftigt. In diesem Heim waren auch die in Dörverden geborenen Kinder von Zwangsarbeiterinnen untergebracht.

(Die Zeitzeugin möchte auch 50 Jahre nach Kriegsende nicht von ihren Erlebnissen im Kinderheim Eitze sprechen.)

Protokoll des Zeitzeugeninterviews vom 28.4.1997 und die Analyse von Dokumenten zur Situation von Zwangsarbeiterinnen, die Mutter wurden, und dem Schicksal ihrer Kinder.

(Dargestellt von Irina,Stefanie, Sabine und Sabrina)

Die Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter in Dörverden stammten aus verschiedenen Ländern (z.B. aus Polen, UdSSR, Belgien, Frankreich, Tschechoslowakei, Frankreich, Italien, Serbien und Jugoslawien).

Als sie im 2. Weltkrieg nach Dörverden gekommen waren, wurden die Männer und Frauen voneinander getrennt untergebracht. Das bedeutete auch, dass sie nicht heiraten durften und keinen Sex miteinander haben sollten. Manche Frauen wurden trotzdem schwanger. Sie durften aber nicht den Erzeuger ihres Kindes heiraten. Sie durften auch nicht in ihre Heimat zurückkehren, um dort das Kind zur Welt zu bringen, denn sie mussten weiterhin in Dörverden arbeiten. Nach der Entbindung wurde ihnen ihr Kind weggenommen und in ein Pflegeheim gebracht, denn die Frauen mussten gleich nach der Entbindung weiterarbeiten.

Die Versorgung in dem Pflegeheim war schlecht. Die Kinder bekamen, wenn sie Glück hatten, Milch. Viele Säuglinge starben an Unterernährung innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen. Die Mütter konnten nichts dagegen tun, weil sie die Kinder nur wenige Stunden in der Woche sahen. In der übrigen Zeit mussten sie ja arbeiten.

Von der NS-Führung gewolltes Kindersterben in allen Teilen des Deutschen Reiches - in der Spätphase des 2. Weltkrieges:

... Auch von der Firma Krupp in Essen war ein Lager für Kinder der auf der Gußstahlfabrik beschäftigten Ostarbeiterinnen eingerichtet worden - das Kinderheim "Buschmannshof" in Voerde bei Dinslaken. Es wurde 1943 eröffnet, weil, wie der Kruppsche Oberlagerführer später erklärte, die Zahl der Ostarbeiterkinder weiter anstieg und die Platzverhäiltnisse im Kruppschen Krankenhaus in Essen nicht mehr ausreichten. Deshalb wurden die Kinder in Voerde von einem Teil der russischen Mütter unter der Leitung einer deutschen Frau betreut. Von den 120 Kindern aber, die dort untergebracht waren, starben zwischen Herbst und Winter 1944 mindestens 48 in Folge einer Diphtherie-Epidemie, die offensichtlich auch durch schlechte Versorgung der Kinder mit Lebensmitteln hervorgerufen worden war ...

... Im Mai 1944 wurde in dem Dorf Velpke bei Helmstedt von Seiten der NSDAP ebenfalls ein derartiges Kinderheim eröffnet, um dort die neugeborenen Kinder der im Kreis Helmstedt beschäftigten Ostarbeiterinnen unterzubringen, die ihnen, wenn nötig, mit Gewalt weggenommen wurden. Leiterin des Heimes war eine "volksdeutsche" Lehrerin, assistiert von vier jungen Ostarbeiterinnen. Zwischen Mai und Dezember wurden dort 110 polnische und russische Kinder untergebracht, von denen 96 in diesem Zeitabschnitt starben - an Epidemien, Unterernährung und "allgemeiner Schwäche", obwohl sie bei guter Gesundheit und mit warmer Kleidung dort eingeliefert worden waren ...

Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländereinsatzes, Berlin 1985, S. 249-250

Die furchtbare Realität des Nationalsozialismus
Am Beispiel der Zwangsarbeit – ein Projekt der Hauptschule Ganderkesee 1998

© Gemeinde Dörverden, 2004.