Erinnern für die Zukunft EIBIA Pulverfabrik Dörverden 1938 – 1945

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Impressum

Das schwere Los der sowjetischen Kriegsgefangenen

SIE HABEN AUF DEN TAG DER BEFREIUNG GEWARTET. SIE HATTEN PLÄNE GESCHMIEDET FÜR DIE ZEIT DANACH. SIE WAREN STOLZ, DASS IHRE KAMERADEN DEN KRIEG GEWONNEN UND IHR LAND, DIE SOWJETUNION, BEFREIT HATTEN. SIE HATTEN GEHOFFT, ALS HELDEN GEFEIERT ZU WERDEN. SIE GLAUBTEN AN DIE ZUKUNFT.
DOCH DANN KAM ALLES GANZ ANDERS.
Russische Kriegsgefangene

Ihre Geschichte beginnt am 22. Juni 1941, als die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion überfällt. Millionen russischer Soldaten ziehen aus, um ihr Land zu verteidigen. Viele von ihnen sind voller Begeisterung. Sie glauben der offiziellen Propaganda von der unauflöslichen Einheit zwischen dem Sowjetvolk und der Roten Armee. Doch die militärischen Erfolge der Roten Armee können mit der Begeisterung nicht Schritt halten. Schon in der ersten Woche des Krieges geraten eine Million der sowjetischen Soldaten in die Kriegsgefangenschaft. Der Kreml reagiert eiskalt. Er hält ihre Zahl geheim. Er verschweigt überhaupt, dass es Kriegsgefangene gibt. Gefangenschaft - das ist in der offiziellen Ideologie des Sowjetkommunismus nicht vorgesehen.
Schliesslich, als das Problem nicht mehr von der Sowjetführung totgeschwiegen werden kann, wird ein unglaublicher Befehl gegeben: "Niemand ergibt sich lebend. Die letzte Kugel hebt der sowjetische Soldat für sich selbst auf." Am 16. August 1941 erlässt Stalin den Befehl, dass die gefangenen Rotarmisten von den eigenen Truppen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu vernichten sind. Das kann geschehen durch den Beschuss vom Boden oder aus der Luft. Den Angehörigen der Gefangenen ist jede staatliche Hilfe zu verweigern. Sie alle gelten als Verräter ...
Nach zwei Jahren Krieg gegen die deutsche Wehrmacht gewinnen die Sowjets immer mehr Schlachten. Sie stoßen immer weiter vor und immer mehr Kameraden können sie aus der Gefangenschaft befreien. Russische Soldaten, die aus schlichtem Patriotismus für ihr Land gekämpft haben, die in den Lagern der Deutschen oft unsägliche Leiden überstanden haben und sich jahrelang durch die Hoffnung auf diesen Tag der Befreiung "über Wasser gehalten haben", diese ehemaligen Gefangenen erwartet eine fürchterliche Bestrafung. Genauso ergeht es auch den verschleppten Zivilarbeitern (Zwangsarbeitern). Reihenweise werden drakonische Urteile verhängt, oftmals auch in Abwesenheit der Angeklagten. Nach amtlichen Unterlagen lautet das Urteil über 150.000 mal: Tod durch Erschießen. Die Siegesfeiern im Mai 1945 finden ohne sie statt, ohne all jene, die ihr Leben für den Sieg aufs Spiel gesetzt und ihre besten Jahre hinter Stacheldraht verbracht hatten.
1956 wurden sie endlich amnestiert. Und erst 1995 durch einen Erlass des russischen Präsidenten werden sie und ihre Angehörigen im vollen Umfang rehabilitiert.
Von fünf Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges sind heute 20.000 übrig geblieben.

(Die ZEIT in VOX - Schülermitschrift einer TV-Sendung)




Russische Kriegsgefangene

In diesem Gebäude waren nach Aussage des Zeitzeugen H. im Winter 1941 sowjetische Kriegsgefangene untergebracht. H. sah, dass die Kriegsgefangenen bei strenger Kälte auf dem kahlen Betonfußboden schlafen mußten. H. erklärt weiter, dass die Gefangenen von Landesschützen scharf bewacht wurden. Die Kriegsgefangenen kamen von einem großen Nienburger Kriegsgefangenenlager mit der Bahn nach Dörverden. Auf dem Weg vom Bahnhof Dörverden nach Diensthop wurden die Gefangen entlang der Bahnstrecke geführt. Sie sollten nicht durch die Ortschaft gehen. Zeitzeuge F. berichtet, dass er während des Krieges mit einem Pferdefuhrwerk Kohlstrunken nach Diensthop zum "Russenlager" gebracht habe. Diese Kohlreste sollten als Verpflegung für die Gefangenen verwendet werden. Die Kohlblätter waren zuvor schon an das Vieh verfüttert worden.

Karte des Lagers der russischen Kriegsgefangenen

Nach übereinstimmenden Zeitzeugenberichten gab es in der Anlage DIENSTHOP, die zur EIBIA-Pulverfabrik Dörverden gehörte, ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene. Diese Gefangenen waren auch beim Ausbau der Anlage Diensthop eingesetzt. Die Anlage DIENSTHOP bestand einmal aus ca. 26 Gebäuden. Neben Aufenthalts- und Lagergebäuden gab es dort auch Anlagen, die der Produktion zuzuordnen sind. (368/ ... Lang- und Zylindersieb; 369/ ... Mischtrommelgebäude). Nicht geklärt ist, welche Pulversorten hier bearbeitet wurden und ob sowjetische Kriegsgefangene hier auch in der Pulverproduktion gearbeitet haben.

Ein Zeitzeuge erinnert sich, dass er als Kind nach Kriegsschluß 31 Gräber gesehen habe. Die Toten seien 1947 exhumiert und auf einem anderen Friedhof bestattet worden.
(Zeitzeuge M. 5/1997)

Zeitzeugen aus Dörverden erinnern sich

Zeitzeuge H. berichtet, dass sein Vater während des Krieges im sog. Sterbelager Heemsen bei Nienburg als Wachmann eingesetzt war. In diesem Lager waren die sowjetischen Gefangen, die schwer erkrankten, untergebracht. Täglich starben dort junge Kriegsgefangene an Infektionskrankheiten und an Unterernährung. Die noch lebenden Gefangenen nahmen die Wolldecken der Verstorbenen, um aus den Wollfäden kleine Gebrauchsgegenstände zu knüpfen.
Die Gefangenen bewiesen dabei viel Geschick. Sie versuchten dann, ihre kleinen Arbeiten bei gutwilligen deutschen Wachposten gegen Brot einzutauschen.

Zeitzeuge W. berichtet, dass während des Krieges ein russischer Kriegsgefangener nachts allein in Dörverden gewesen sei. Vermutlich wollte er sich dort Essbares besorgen. Während der Nacht wurde Fliegeralarm ausgelöst. Der Gefangene versteckte sich in einem Luftschutzbunker auf dem Grundstück von W. Als W's Schwestern in der Dunkelheit dann in den Bunker gehen wollten, sahen sie schemenhaft die zerlumpte Gestalt des Kriegsgefangenen. Sie erschraken sehr und holten ihren Großvater. Der Großvater verständigte die Polizei. Der Gefangene wurde von drei Uniformierten (vermutlich Landesschützen) abgefürt. Als W`s Vater, der zu dieser Zeit Soldat war, nach dem Krieg von diesem Vorfall erfuhr, war er sehr ungehalten. Er meinte, man hätte den armen Gefangenen lieber mit einem Stück Brot nach dem Fliegeralarm wegschicken sollen anstatt die Polizei zu holen. Die Festnahme habe für den Gefangenen sicherlich die schwersten Folgen gehabt.

Arbeitstagebuch

Die furchtbare Realität des Nationalsozialismus
Am Beispiel der Zwangsarbeit – ein Projekt der Hauptschule Ganderkesee 1998

© Gemeinde Dörverden, 2004.