Erinnern für die Zukunft EIBIA Pulverfabrik Dörverden 1938 – 1945

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Bestandsaufnahme 1997


Impressum

Hunger – Innerer Monolog von Irina, Thomas, Saskia und Timo M.

Text 1 Text 2 Text 3 Text 4

Bericht des Zeitzeugen M.:

Ich war damit beauftragt, im Frühjahr 1942 mit sowjetischen Kriegsgefangenen an der Weser bei Barme das Einlaufbauwerk für die Abwasserleitung der Pulverfabrik zu bauen. Die Gefangen sollten mit Spaten am Weserufer den schweren Lehmboden aufgraben, um so Raum für das Bauwerk zu schaffen. An dem körperlichen Zustand der Gefangenen merkte ich jedoch, dass diese kaum in der Lage waren, einen Spaten festzuhalten. Mit diesen Arbeitskräften konnte ich meine Aufgabe nicht erfüllen. Deshalb organisierte ich ein Ruderboot und ließ einen Sack Zement von den Gefangenen zum gegenüberliegenden Weserufer transportieren. Dort befand sich ein Bauernhof. Ich wusste, dass der Bauer den Zement gut gebrauchen konnte. Deshalb war es nicht schwierig, gegen Zement Kartoffeln einzutauschen. Damit dieser Handel nicht auffiel, wurden die Kartoffeln in den zuvor ausgeleerten Zementsack geschüttet und das Boot wurde mit den Kartoffeln zurückgerudert. Im Schutze der Uferböschung wurden die Kartoffeln von den Gefangenen auf einem Feuer geröstet und gierig verschlungen. Ich bin froh, dass mich niemand bei der Gestapo angezeigt hat.

(Berichtstag 10. August 1995)
Zeichung eines Verhungernden
Ein verhungernder Sowjetsoldat in einem deutschen Kriegsgefangenlager 1941
- nach einer Dokumentaraufnahme gezeichnet von Irina -
Bericht des Zeitzeugen A.:

Es war im Herbst 1942 zur Kartoffelerntezeit. Mein Schwiegervater fuhr mit einem Pferdegespann am EIBIA-Werksgelände entlang. Auf dem Wagen befand sich eine Ladung frisch geernteter Kartoffeln. Plötzlich sprangen ungefähr 5-6 abgerissene Gestalten aus dem Wald. Mein Schwiegervater erschrak, denn er hatte zuvor nichts gehört. Diese Personen, es waren sowjetische Kriegsgefangene, liefen zu dem Ackerwagen und stopften sich die Taschen mit Kartoffeln voll. Mein Schwiegervater erfasste sofort, dass diese Gefangenen große Not litten. Er hielt das Pferdefuhrwerk an und ließ sie gewähren. Genauso schnell wie sie gekommen waren, verschwanden die Gefangenen auch wieder im Wald.

(Berichtstag 10. Dezember 1995)

Die furchtbare Realität des Nationalsozialismus
Am Beispiel der Zwangsarbeit – ein Projekt der Hauptschule Ganderkesee 1998

© Gemeinde Dörverden, 2004.