Erinnern für die Zukunft EIBIA Pulverfabrik Dörverden 1938 – 1945

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Impressum

Der Zeitzeuge Friedrich Grünhagen erläutert der Klasse 10b Bauweise und
Funktion verschiedener Gebäude auf dem ehemaligen Werksgelände

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Der Zeitzeuge Friedrich Grünhagen beantwortet den Schülerinnen und Schülern Fragen zu seiner persönlichen Situtation und zu den Lebensbedingungen der EIBIA-Zwangsarbeiter/innen und der sowjetischen Kriegsgefangenen während der Kriegszeit 1939-1945.
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Aus dem Interview mit dem Zeitzeugen Friedrich Grünhagen:

( ... Mit Beginn der Bauarbeiten für die Pulverfabrik waren Baufirmen aus allen Teilen des "Großdeutschen Reiches" mit dem Aufbau beschäftigt. An der ehemaligen Reichsstraße 215 (jetzt B 215) in Höhe der überdachten Lkw-Unterstellplätze der Kaserne in Barme entstand 1938 ein Barackenlager für eine Abteilung des Reichsarbeitsdienstes (RAD). Nach Kriegsbeginn, ungefähr 1940, wurde der RAD verlegt und das Lager in "Todtlager" umbenannt.

Der RAD führte hauptsächlich Erdarbeiten wie das Ausheben von Kabelgräben, Planierarbeiten und das Stechen von Grassoden für die Dachtarnung der Gebäude aus.

Die Baufirmen beschäftigten Arbeiter und Handwerker u.a. aus Süddeutschland, dem Sudetenland, aus Österreich, Italien und der Tschechoslowakei.

Zum Teil waren die Arbeitskräfte auch dienstverpflichtet. Das Arbeitsamt muss damals das Recht der bestimmenden Mitwirkung gehabt haben, d.h. die Wahl des Arbeitsplatzes war für die im "Großdeutschen Reich" lebenden Menschen nicht mehr frei. Auch erinnere ich mich, dass Landarbeiter, die wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten zu Baufirmen wechseln wollten, vom Arbeitsamt nicht freigegeben wurden. In der Landwirtschaft herrschte zu dieser Zeit Arbeitskräftemangel. Die Landarbeiter waren darüber erbost und schimpften in Privatkreisen darüber.

Mit Beginn des Frankreichfeldzuges 1940 kamen dann aus den besetzten Gebieten zunehmend Arbeitskräfte nach hier, zuerst Belgier und Holländer. Von Belgien kamen hauptsächlich Flamen, mit denen wir uns auf Plattdeutsch gut verständigen konnten. Zu meiner Zeit, in der ich in der EIBIA tätig war, gab es verhältnismäßig wenige deutsche Arbeitskräfte in der Pulverfabrik. Viele deutsche Männer waren zu diesem Zeitpunkt - 1942 - bereits zur Wehrmacht eingezogen worden.

Die Arbeiter waren nun Belgier, Holländer, Italiener, Tschechen, Franzosen, Polen und viele Russen. Es kamen auch viele Frauen, die zwangsverpflicht bzw. aus ihrer Heimat nach Deutschland verschleppt worden waren. Dies traf besonders für die Menschen aus Frankreich, Polen und der UdSSR zu ... )

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Aus dem Bericht des Friedrich Grünhagen:

Erinnerungen an meine Berufstätigkeit in der EIBIA

"Ich kam am 1. April 1942 14-jährig als Zimmererlehrling bei einer größeren privaten Baufirma in die Lehre. Bis zu meiner Einberufung am 1. August 1944 war ich hauptsächlich in der Pulverfabrik, vereinzelt auch im Todt- und im Steinlager beschäftigt. Der Polier und die Gesellen waren zwischen 50 und 70 Jahre alt. Die Jüngeren waren alle zur Wehrmacht eingezogen.

(...) Bei Beginn meiner Tätigkeit im April 1942 war die Anlage zwar in Betrieb, ein Teil der Gebäude jedoch erst im Rohbau erstellt. Diese wurden nach und nach ausgebaut, ausgerüstet und in Betrieb genommen.

Der völlige Endausbau war meines Wissens bei Kriegsende noch nicht abgeschlossen. Wir Handwerker wurden zu strengster Geheimhaltung verpflichtet und durften nur die Gebäude betreten, in denen wir unsere Arbeit zu erledigen hatten. Die Anweisung haben wir, eingeschüchtert wie wir waren, auch befolgt. Damit blieben uns die betrieblichen Zusammenhänge fremd.

Im A-Pulverbereich habe ich bei der Erstellung der in Holzfachwerk-Leichtbauweise gefertigten Wand- und Dachplatten für die zweite etwa 100 m lange Förderbandanlage mitgearbeitet.

Eine solche Anlage war bereits in Betrieb. Diese Anlage wurde allgemein "Kegelbahn" genannt. Sie führte vom Pressengebäude 333 2/V zum Schneidwerk. Im Pressengebäude wurde die breiige Pulvermasse in einer sehr dünnen Lage auf das Förderband gedrückt und während der Förderung zum Schneidwerk getrocknet und dann geschnitten.

In beiden Gebäuden und in der Kegelbahn war es über 30 Grad Celsius warm. Hinzu kamen die aggressiven Dämpfe, die die Schleimhäute stark reizten.

Während der erforderlichen Anschlussarbeiten in der Kegelbahn hatten wir immer drei Taschentücher dabei. Eines davon war in Gebrauch und zwei lagen zum Trocknen auf den Heizkörpern ..."

(... Ausländische Arbeitskollegen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, und die Art der Verpflichtung, die ich in Gesprächen erfahren habe:

Italienische Arbeitskräfte wurden angeworben. Sie kamen aus einem verbündeten Staat. Ihnen wurden gute Verdienstmöglichkeiten versprochen. Hauptsächlich kamen Sizilianer. Zweimal im Jahr bekamen sie Heimaturlaub. Sie wohnten im Steinlager.

Belgische Arbeitskräfte (Flamen) arbeiteten bei einer Baufirma. Sie wohnten privat oder im Lager Immenhof. Zweimal im Jahr bekamen sie Heimaturlaub. Die Belgier waren zu Hause arbeitslos. Sie wurden durch das Versprechen gute Verdienstmöglichkeiten zu haben, angeworben. Die Italiener und Belgier konnten sich frei bewegen.

Holländische Arbeitskräfte wurden ab Herbst 1943 auch zwangsverpflichtet. Zwei Tischler sind zur Zwangsarbeit in der EIBIA-Dörverden verpflichtet worden. Sie wohnten im Steinlager.

Ukrainische und russische Arbeitskräfte: Drei Arbeiter lernte ich näher kennen. Sie wohnten in Lager Immenhof. Sie wurden anhand einer Liste von der Heimatgemeinde, die diese nach deutscher Aufforderung aufstellen musste, nach Deutschland zur Arbeit zwangsverpflichtet. Einer der Ukrainer hatte den Vornamen "Adolf". Weil er auch nach seinen Angaben deutsche Großeltern hatte, versuchte er, sich eindeutschen zu lassen. Dieses wurde aber von den deutschen Behörden nicht anerkannt ... )

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Die furchtbare Realität des Nationalsozialismus
Am Beispiel der Zwangsarbeit – ein Projekt der Hauptschule Ganderkesee 1998

© Gemeinde Dörverden, 2004.