Erinnern für die Zukunft EIBIA Pulverfabrik Dörverden 1938 – 1945

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Die Lebensverhältnisse ausländischer Arbeitskräfte im Deutschen Reich 1939-1945

Haltung der deutschen Bevölkerung während des Krieges gegenüber den Arbeitskräften aus dem Ausland

Die meisten Deutschen zeigten am Schicksal der Ausländer wenig Interesse. Sie beteiligten sich weder an Mißhandlungen, noch sympathisierten sie mit den Ausländern. Man hatte genug mit sich selbst zu tun. Das Elend der anderen verlor seine Besonderheit, je elender das eigene Leben wurde; die Sorge um das eigene Überleben ließ nicht mehr viel Platz, das Massenelend der Fremdarbeiter mehr als nur zur Kenntnis zu nehmen. Die Ausländer waren einfach da und gehörten zu Kriegsalltag wie Lebensmittelmarken oder Luftschutzbunker. Die Diskriminierung der Russen und Polen wurde dabei ebenso als gegeben hingenommen wie die Kolonnen halbverhungerter Menschen, die täglich durch die Straßen der Städte in die Fabriken marschierten. Auch die eigene bevorrechtigte Stellung ihnen gegenüber war nichts Besonderes mehr, nichts, worüber man sich Gedanken machte. Eben das machte das Funktionieren des nationalsozialistischen Ausländereinsatzes aus: daß die Praktizierung des Rassismusses zur täglichen Gewohnheit, zum Alltag wurde, ohne daß sich der einzelne daran in Form aktiver Diskriminierung oder Unterdrückung beteiliegen mußte. Bei allen notwendigen Differenzierungen und der sehr unterschiedlichen Situation in der Landwirtschaft und der Industrie sowie in den einzelnen Betrieben verweist die Haltung der deutschen Bevölkerung zu den ausländischen Arbeitern während des Krieges auf eine Einstellung, die nationale und „rassische” Ungleichheit stillschweigend voraussetzte und die die Instrumentalisierung des einzelnen als aktiven Faktor rassistischer Innenpolitik gar nicht mehr als Besonderes wahrnahm.
Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländereinsatzes, Berlin 1985, S. 358

Westarbeiter

Die Arbeitskräfte aus dem Westen Europas erhielten für die schwere Arbeit, die sie leisten mußten, den gleichen Lohn wie die Deutschen, waren aber mit dem oft nicht berufsrichtigen Einsatz der Facharbeiter nicht zufrieden. Auch die Arbeitszeit entsprach weitgehend derjenigen der deutschen Arbeiter, über die häufigen Sonntagsschichten beklagten sie sich ebenso wie die deutschen Kollegen. Mit der Ernährung in den Betriebsküchen waren sie nicht zufrieden, was die Qualität des Essens betraf – Klagen wegen zu geringer Portionen tauchten seltener auf. Es gab aber Beschwerden über das Urlaubsverbot, über Ausschreitungen des Lagerpersonals, schlechtes Schuhwerk. Dennoch unterschied sich die Situation der Westarbeiter von derjenigen der Deutschen nach wie vor erheblich – nicht allein durch die materiellen Bedingungen, sondern auch durch Demütigungen und Diskriminierungen: erniedrigende Strafen wie Prügel bei Urlaubsüberschreitungen führten auch den Westarbeitern vor Augen, daß sie nicht als willkommene „Gastarbeiter” in Deutschland waren, sondern als Angehörige besiegter Feindstaaten in einem faschistisch regierten Land.
Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländereinsatzes, Berlin 1985, S. 286/287

Ostarbeiter

Die Briefe der Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Sowjetunion zeigen, daß deren Arbeits- und Lebensbedingungen noch erheblich schlechter waren als diejenigen der Westarbeiter. Von der Gesamtmenge der zensierten Post enthielten im März 1943 98% der Briefe für Deutschland ungünstige Äußerungen, nur 2% der Briefe enthielten positive Äußerungen. Die ungünstigen Aussagen beziehen sich auf zu lange Arbeitszeiten (bis zu 18 Stunden), schwere und schmutzige Arbeit ohne Ruhetage. Sehr häufig sind Klagen, ... daß sie trotz der Kälte in zerrissenen Kleidern oder ohne Winterkleidung und in zerrissenen Schuhen oder ohne Schuhe arbeiten müssen ... In immer größerer Zahl dieselben Klagen über die dünne Suppe, über ungeschälte Kartoffeln, Kohlrüben und nicht ausreichende Brotzuteilungen (150g, 200g). Da das nicht ausreicht, kaufen sie noch heimlich in der Stadt Kraut oder Kohlrüben und essen das roh. Werden sie dabei erwischt, dann werden sie bestraft (3 Tage Arrest) ... Als Folge des erwähnten Mangels blüht in vielen Lagern der Handel mit Brot und anderen Lebensmitteln zu Wucherpreisen. – Das Kilo Brot kostet bis zu RM 15.- ... Klagen über kalte Baracken: Leicht zusammengefügte Bretterbuden, die jeden Augenblick auseinanderzufallen drohen. Infolge mangelnder Sauberkeit gibt es Ungeziefer. ... Klagen über zu geringen Lohn, 1,2,3 RM in der Woche und oft überhaupt nicht erhaltenen Lohn (bis zu einem halben Jahr). „Die Kleider sind neu, nur die Löcher sind alt.” Immer mehr Klagen über Mangel an Kleidern und Schuhzeug. Unter dem Stichwort „Soziale Betreuung” wurde vermerkt: Die meisten Klagen beziehen sich auf mangelnde oder nicht sorgfältige ärztliche Behandlung und auf Nichtanerkennung des Kranksein („wurde vom Arzt wie ein Hund weggejagt”). Sie müssen oft arbeiten, wenn sie sich dazu nicht im Stande fühlen, bei Erkrankung wird die Lebensmittelzuteilung vermindert oder teilweise entzogen ... Viele Klagen über das Leben hinter der Stacheldrahtumzäunung des Lagers und den Gitten an den Fenstern, über die Beschränkung der freien Zeit und über Ausgehverbote an freien Tagen ... Sehr viel wird auch über die Art der persönlichen Behandlung geklagt: Kinder werfen mit Steinen auf der Straße nach uns, sie sehen auf uns wie Hunde. Klagen über Beschimpfungen „Russisches Schwein”.„Man betrachtet uns als Tiere”.
Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter – Politik und Praxis des Ausländereinsatzes, Berlin 1985, S. 287/288

Strenge Reglementierung für polnische Zwangsarbeiter im Deutschen Reich 1939-1945

Mit deutscher Gründlichkeit waren die „Arbeitsbedingungen” für die Zwangsarbeiter erarbeitet und formuliert worden.

Für alle Arbeiter und Arbeiterinnen polnischen Volkstums im Großdeutschen Reich gelten folgende Bestimmungen:
1. Das Verlassen des Aufenthaltsortes ist streng verboten.
2. Während des von der Polizeibehörde angeordneten Ausgehverbotes darf auch die Unterkunft nicht verlassen werden.
3. Die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, z.B. Eisenbahn, ist nur mit besonderer Erlaubnis der Ortspolizeibehörde gestattet.
4. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen polnischen Volkstums haben die ihnen übergebenen Abzeichen stets sichtbar auf der rechten Brustseite eines jeden Kleidungsstückes fest anzunähen.
5. Wer lässig arbeitet, die Arbeit niederlegt, andere Arbeiter aufhetzt, die Arbeitsstätte eigenmächtig verläßt usw., erhält Zwangsarbeit im Arbeitserziehungslager. Bei Sabotagehandlungen und anderen schweren Verstößen gegen die Arbeitsdisziplin erfolgt schwerste Bestrafung, mindestens eine mehrjährige Unterbringung in einem Arbeitserziehungslager.
6. Jeder gesellige Verkehr mit der deutschen Bevölkerung, insbesondere der Besuch von Theatern, Kinos, Tanzvergnügen, Gaststätten und Kirchen, gemeinsam mit der deutschen Bevölkerung ist verboten. Tanzen und Alkoholgenuß ist nur in den polnischen Arbeitern zugewiesenen Gaststätten gestattet.
7. Wer mit einer deutschen Frau oder einem deutschen Mann geschlechtlich verkehrt oder sich ihnen besonders unsittlich nähert, wird mit dem Tode bestraft.
8. Jeder Verstoß gegen die für die Zivilarbeiter polnischen Volkstums erlassenen Anordnungen und Bestimmungen wird in Deutschland bestraft, eine Abschiebung nach Polen erfolgt nicht.
9. Jeder polnische Arbeiter und jede polnische Arbeiterin hat sich stets vor Augen zu halten, daß sie freiwillig zur Arbeit nach Deutschland gekommen sind. Wer diese Arbeit zufriedenstellend macht, erhält Brot und Lohn. Wer jedoch lässig arbeitet und die Bestimmungen nicht beachtet, wird besonders während des Kriegszustandes unnachsichtig zur Rechenschaft gezogen.
10. Über die hiermit bekanntgegebenen Bestimmungen zu sprechen oder zu schreiben ist strengstens verboten.




Harter Umgang bis zuletzt ... GESTAPO-Chef Kaltenbrunner telegraphiert aus dem zerbombten Berlin am 6.2.1945

Telegramm
Kaltenbrunner zum Thema Zwangsarbeiter
Bundesarchiv Koblenz, BA R 58/243

Marian Auf dem Foto ist ein junger Mann mit Vornamen Marian abgebildet, der in einem Wald in der Nähe von Verden hingerichtet wurde. Ihm wurde Geschlechtsverkehr mit einer deutschen Frau vorgeworfen. Die junge Frau, die schwanger war, arbeitete im Gaswerk Verden. Sie wurde mit einem Fuhrwerk durch die Stadt gefahren. Um den Hals hängte man ihr ein Schild mit der Aufschrift, daß sie ein Polenliebchen sei.
Woock, Joachim, Fachgymnasium BBS-Verden, in VAZ

Italienische Zivilinternierte: Eine besondere Form der Zwangsarbeit

Verdener Nachrichten vom 10.8.1990)
Besuch aus Italien

Die furchtbare Realität des Nationalsozialismus
Am Beispiel der Zwangsarbeit – ein Projekt der Hauptschule Ganderkesee 1998

© Gemeinde Dörverden, 2004.